Ziel des Projektes ist die Verbesserung der Gesundheit und die damit verbundene Chancengleichheit ALLER Menschen im Schleswiger Viertel. Gelingen soll dies durch die Erhöhung von Teilhabemöglichkeiten für den Einzelnen und vernetzten Betätigungsinseln im Quartier. Unser Fokus liegt auf den (unentdeckten) Stärken und Potentialen. Der AWO Bezirksverband Hannover e.V. ist seit über 45 Jahren vor Ort engagiert. Wir sehen Gesundheit als Frage gesellschaftlicher Teilhabechancen und Gerechtigkeit (gesellschaftlicher Exklusions- bzw. Inklusionsprozesse). Ziel ist, ein Mehr an Gesundheit u.a. durch eine gestärkte Selbstwirksamkeit, aktiver Mitbestimmung, Übernahme von Verantwortung und Verbesserung der Wohnqualität. Isolation und Vereinsamung werden reduziert und somit Problemlagen sozialer und gesundheitlicher Art verringert.
Ein Handlungsbedarf in diesen Bereichen wurde durch eine in 2019 vom AWO Bezirksverband durchgeführten Quartiersanalyse aufgedeckt. Darauf aufbauend werden im 1. Jahr Bewohner*innen ermutigt, sich mitzuteilen. Themen werden herauskristallisiert, die sie zum Handeln bewegen. Tatsächlich „ins Tun kommen“ fällt am leichtesten mit Dingen, die man gut kann und gerne mag. Dort setzen wir an. Jede*r hat mindestens eine Begabung, sei es handwerklicher Art, eine Herzenssache oder ein bestimmtes Wissen. Wir unterstützen diese Begabungen in das Viertel einzubringen, indem Betätigungsinseln geschaffen, Handlungsbarrieren beseitigt und Gleichgesinnte zu Interessensgemeinschaften zusammengeführt werden. Dies stärkt die Selbstwirksamkeit. Im 2. Jahr liegt der Fokus auf dem Aufbau eines starken Netzwerks und der Integration von unterrepräsentierten Gruppen. Die im Kleinen entstandenen, ausgewählten Beteiligungsinseln werden von den Aktiven im Stadtteil fest installiert – draußen wie drinnen (z.B. Hochbeete, Sportgeräte, Literaturzirkel, Bewegungsangebote) und der Bewohnerschaft über Feste, Aktionswochen und Workshops näher gebracht. Die Nachbarschaft wird gestärkt und sozialer Isolation entgegengewirkt. Im 3. Jahr wird das Erreichte verstetigt und Verantwortung übertragen (Beirat, Patenschaften für Beteiligungsinseln). Beteiligungsinseln werden vernetzt, ein fester Nachbarschaftstreffpunkt installiert. Dieser Wachstumsprozess wird von Anfang an von den Aktiven begleitet und gestaltet. Dieser Prozess stellt ein Querschnittsthema des Projekts dar und ist somit auf die Bedürfnisse und Anforderungen der unterschiedlichen Menschen im Quartier zugeschnitten.
Im Schleswiger Viertel leben ca. 7300 Menschen. 48% mit Zuwanderungsgeschichte (LHH: 39%). Der Anteil der von Kinder-, Familien- und Altersarmut Betroffenen liegt über dem der Stadt Hannover (LHH). Der Sozialreport LHH 2017 charakterisiert den Stadtteil Vahrenwald mit „Flukturierend, viele Singles u. Alleinerziehende, hoher Migrant*innenanteil, große Nationalitätenvielfalt“. Im Projektgebiet finden sich ein Wohnheim für Obdachlose, ein neues Wohnheim „Housing first“ und eine Einrichtung für Geflüchtete. In Quartiersgesprächen wurde Unsicherheit, Anonymität durch hohe Fluktuation der Nachbarschaft, Vandalismus und wenig Umweltbewusstsein beschrieben. Begegnungsorte mit Angeboten zur Teilhabe fehlen. Das Image des Quartiers ist das einer „grauen Maus“. Selbstvertrauen für aktive Teilhabe und Gestaltungsfähigkeit ist bei den Bewohner*innen des Viertels geringer ausgeprägt als in anderen Stadtteilen. Seit 2019 engagiert sich der AWO BV Hannover e.V. vor Ort in der QE. Im Rahmen der „Alter(n)sgerechten Quartiersentwicklung“ (LHH) wurde ein Konzept für das Schleswiger Viertel formuliert. 2020 wurden erste Maßnahmen umgesetzt mit Schwerpunkt auf die ältere Bewohnerschaft. 2020 erhielt die QE-Arbeit für „Kulturspritzen gegen Coronablues“ den Niedersächsischen Gesundheitspreis. Um der bedrückenden Situation durch den erneuten Corona-Lockdown im Frühjahr 2021 etwas Aufmunterndes entgegenzusetzen, organisierte die AWO in Kooperation mit Einrichtungen aus dem Viertel einen temporären Kunst- und Klangpfad zum Mitmachen. Die Resonanz war sehr positiv. Besonders Familien beteiligten sich daran. Auf diese Erfahrungen wird im beantragten Projekt aufgebaut.